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Hochwasserschutz in der Gemeinde Hard

 

Mit verschiedensten Maßnahmen möchte die Marktgemeinde Hard im Falle eines Hochwasser-ereignisses höchst möglichen Schutz für die Bürgerinnen und Bürger, Gebäude und Infrastruktur bieten. Es kann aber auch jede und jeder einzelne selbst Vorsorge treffen, um für den Fall des Falles gewappnet zu sein.

Das Hochwasser im Jahr 1999, aber auch das hundertjährige Starkregenereignis am 19. August dieses Jahres haben gezeigt, welch verheerende Auswirkungen eine ungünstige Wetterkonstellation haben kann.

Für die Marktgemeinde Hard ist es oberstes Gebot, dafür Sorge zu tragen, dass in einem solchen Fall die Bürgerinnen und Bürger, Bauwerke und die kritische Infrastruktur bestmöglich geschützt sind. Aus diesem Grund wurde am See eine „Verteidigungslinie“ errichtet, die vom Fischteich entlang des Stede- und Seeparks, des Sport-, Zoll- und Gondelhafens, vorbei an der Anlegestelle der Hohentwiel und MS Oesterreich und entlang des Dampfer- bis zum Auhafen reicht. 

Maßnahmen bei Seehochwasser
Entlang dieser „Verteidigungslinie“ werden bei drohendem Seehochwasser verschiedenste Maßnahmen eingeleitet, um Schaden abzuwenden. Erreicht der Bodenseestand einen bestimmten Pegel, werden etwa Dammbalken gesetzt und stufenweise sechs Hochwasserpumpwerke in Betrieb genommen, die sich beim Fischteich, am Dorfbach, am Inselbach, am Zollhafen, am Hartmannhafen und am Dampferhafen befinden. Alleine das Pumpwerk am Fischteich hat dabei eine Förderleistung von 13.500 Liter Wasser pro Sekunde.

Weiters kommen in der Au vier Grundwasserpumpwerke zum Einsatz. In diesem Gebiet haben sowohl der Seepegel wie auch die Bregenzerach einen starken Einfluss auf den Grundwasserstand. Die vier Pumpwerke sorgen dafür, dass das Schmutzwassersystem nicht überlastet wird und leisten somit einen bedeutenden Beitrag zum Schutz der kritischen Infrastruktur.

Weitere wichtige Maßnahmen, um betroffene Ortsteile zu schützen bilden das Setzen sogenannter Quickblöcke, das Errichten von Dammtafeln, fixe Betonmauern, wie etwa bei der Anlegestelle der Hohentwiel, oder klassische Sand-säcke.

Alarmplan der Gemeinde Hard
Die Beobachtung der Situation und Einleitung etwaiger Schutz- sowie Informationsmaßnahmen ist bei Hochwasser, wie auch bei anderen Ereignissen, im Alarmplan der Marktgemeinde Hard genau festgelegt und liegt in der Verantwortung der Gemeindeeinsatzleitung (kurz: GEL). Dieser gehören der Bürgermeister als Einsatzleiter, der Feuerwehrkommandant als technischer Leiter der Einsatzmaßnahmen, der Leiter des Stabes sowie weitere Teammitglieder an, welche die Bereiche Personal, Lage, Einsatz, Versorgung, Pressearbeit und Kommunikation abdecken. Je nach Bedarf und Ereignis werden weitere, auch externe, Fachberater hinzugezogen.

Der Ablauf des Alarmplans bei Hochwasser erfolgt in mehreren Stufen:

- Informationsstufe (Bodenseepegel 4,26 m, ca. 0,74 m unter der Hafenmauer): In dieser Stufe wird ein kleiner Stab der GEL, die örtliche Hochwassereinsatzleitung, einberufen. Diese beobachtet ständig die Entwicklung, erstellt Prognosen, bereitet Schutzmaßnahmen vor und führt diese durch und infomiert die weiteren Mitglieder der Gemeindeeinsatzleitung.

- Vorwarnstufe (Bodenseepegel 4,5 m, ca. 0,5 m unter der Hafenmauer): In dieser Stufe erfolgt die Abstimmung der Maßnahmen durch die GEL. Das Hochwasserpumpwerk beim Fischteich wird in Betrieb genommen, um das Wasserniveau abzusenken, ebenso die Pumpwerke am Dorfbach, Inselbach, Zollhafen und Dampferhafen. Auch die Grundwasserabsenkung in der Au beginnt. 

Die Entwicklung wird weiter ständig beobachtet, es werden Prognosen erstellt und Schutzmaßnahmen vorbereitet bzw. durchgeführt. Für Mitarbeiter des Bauhofs und der Abteilung Tiefbau sowie die Mitglieder der GEL gilt bei entsprechender Prognose und Lageeinschätzungen Urlaubssperre und ständige Bereitschaft. 

Die Bevölkerung wird über die Homepage sowie die Social-Media-Kanäle der Gemeinde informiert.

- Warnstufe (Bodenseepegel 5 m, ca. 0,0 m Oberkante der Hafenmauer): Während die Entwicklung weiter beobachtet, Prognosen erstellt und Schutzmaßnahmen durchgeführt werden, die Mitarbeiter des Bauhofes und der Abteilung Tiefbau sowie die Mitglieder der GEL in ständiger Bereitschaft sind, erfolgt die vollständige Installation und Inbetriebnahme aller Hochwasserschutz-Anlagen. 

Starkregenereignis am 19. August
Beim hundertjährigen Starkregenereignis am 19. August fielen innerhalb weniger Stunden 250 Liter Regen pro Quadratmeter, eine Menge,, die in Hard bis dahin noch nie gemessen wurde. Während vielerorts Straßen, Unterführungen, Tiefgaragen und Keller unter Wasser standen und die Ortsfeuerwehr rund 160 Einsätze absolvierte, um den Bürgerinnen und Bürgern zu helfen, blieb der Pegel des Sees auf niedrigstem Niveau. Aus diesem Grund konnten die Hochwasserpumpwerke nicht aktiviert werden: Ihr Einsatz hätte keine Auswirkungen auf die Lage gehabt, da der Wasserstand zu niedrig war und die Pumpen lediglich Luft gepumpt hätten. 

Maßnahmen der Gemeinde
Um ein Hochwasser- oder Starkregen-ereignis bewältigen zu können, setzt die Gemeinde auf verschiedene Maßnahmen. Neben der laufenden Instandhaltung und Wartung der technischen Anlagen und die Pflege öffentlicher Gewässer, zählt dazu auch der fortlaufende Umbau der Abwasserkanäle von einem Mischsystem in ein System mit getrennten Schmutz- und Regenwasserkanälen, sowie der Umbau der Straßenentwässerung. Hier soll die Zahl der Versickerungsanlagen erhöht werden oder eine Ableitung in Gewässer erfolgen. In Abstimmung mit der Wasserwirtschaft und dem Naturschutz werden gegebenenfalls auch bauliche Maßnahmen an Gewässern umgesetzt.  

Bei der Bewältigung solcher Naturereignisse spielt die Ortsfeuerwehr eine besonders bedeutende Rolle. Um Abläufe zu optimieren, fand deshalb am 12. Oktober für die Mitglieder der Feuerwehr Hard ein Infoabend statt.

An Eigenvorsorge denken
Es sind jedoch auch die Bürgerinnen und Bürger selbst gefordert, für ein solches Ereignis vorzusorgen, besonders dann, wenn sich ein Gebäude nah an einem öffentlichen Gewässer oder in einer Gefahrenzone befindet. 

Im Gefahrenzonenplan ist ersichtlich, ob sich Ihr Heim in einer solchen Zone befindet. Er steht allen Harderinnen und Hardern auf der Gemeindehomepage unter www.hard.at/schutzwasserbau zum Download zur Verfügung.

Tipps der Gemeinde

- Generell sollten Sie sich über Ihre eigene Situation im Klaren sein und sich dazu folgende Fragen stellen: Wie ist die Lage und der Zustand meines Hauses: Verfügt es über eine dichte Kellerwanne oder beispielsweise einen Erdkeller? Kann über Kellerabgänge und Eingangsbereiche leicht Wasser eindringen? Wie ist die Grundwassersituation? Wie sieht es mit der Geländesituation (Gefälle, Senken etc.) aus?

- Achten Sie auf eine regelmäßige Wartung bzw. die Instandhaltung eigener Anlagen: Dazu zählt die regelmäßige Kontrolle und gegebenenfalls die Reinigung der Dachabläufe samt zugehörigem Schlammfang sowie von Versickerungsanlagen ebenso, wie die Wartung etwaiger Rückstaueinrichtungen und die Funktionskontrolle vorhandener Pumpen und mechanischer Schutzvorrichtungen.

- Erwägen Sie bauliche Maßnahmen. Dazu zählt z. B. die Anpassung des Geländes, damit das Wasser vom Gebäude weggeleitet wird oder die Erstellung einer Geländekante bzw. einer Erhebung, inklusive der erforderlichen Entwässerung. Auch die Überdachung von Kellerabgängen oder Eingangsbereichen könnte Sinn machen. Dasselbe gilt für die Errichtung einer funktionalen Dachentwässerung, beispielsweise mittels Sickerschacht oder Sickerrohr.

- Falls keine baulichen Maßnahmen erforderlich sind, kann präventiv die Anschaffung einer Pumpe oder von Abdichtmaterialien (z. B. Sandsäcke, Folie, Brunnenschaum oder Bretter) angedacht werden.

Für weitere Infos steht Ihnen gerne ein Ingenieurbüro bzw. ein Fachplaner Ihres Vertrauens, das Tiefbauamt der Gemeinde Hard (T 697-110, tiefbau@hard.at) und der Zivilschutzverband Vorarlberg (www.zivilschutz-vorarlberg.at) zur Verfügung.

Infoabend für die Bevölkerung geplant
Für interessierte Harderinnen und Harder plant die Gemeinde Hard eine Informationsveranstaltung zum Thema Hochwasserschutz. Der Termin und weitere Infos werden rechtzeitig in der Gemeindezeitung, auf unserer Homepage sowie auf unseren Social-Media-Kanälen bekannt gegeben.